Die Wale, ihre Jäger und der Strand von Annobón

Keine Art des Jagens hat Menschen je über so weite Wege geführt wie der Walfang des 18. und 19. Jahrhunderts. Stellt man die viel diskutierte Frage nach ihrer ökologischen Bewertung für einen Moment beiseite und betrachtet die Jagd auf Wale als eine mobile Arbeits- und Lebenspraxis, so zeigt sich ein Phänomen globaler Verflechtungen, das bislang kaum als ein solches betrachtet worden ist. Entlang der imaginären, von planetarischen Strömungen vorgezeichneten Fährten ihrer Beute spannten Walfänger ab Mitte des 18. Jahrhunderts ein neuartiges Netz aus Jagdgebieten, Verkehrswegen, Umladehäfen und Transportketten um alle Weltmeere. Mehr noch: Um sich auf ihren meist mehrjährigen Fahrten zu versorgen, steuerten die Schiffe regelmäßig Inseln und Orte auf dem kontinentalen Festland an. Auf diese Weise brachte der Walfang eine eigene, die Ozeane übergreifende Topographie hervor, die sich mit den etablierten Strukturen etwa der Handels- oder der Passagierschifffahrt keineswegs deckte. Denn es waren die Wege der Wale, die denen ihrer Jäger die Richtung gaben. Am Rande dieser Wege kam es zu Austausch- und Kommunikationsbeziehungen, die sowohl an Bord der Schiffe Spuren hinterließen als auch an Stränden…

…weiter bei: Winfried Speitkamp & Stephanie Zehnle (Hrsg.): Afrikanische Tierräume: Historische Verortungen. Köln: Köppe, 2014.

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