Nähe zum Meer

Zu den gängigen Klischees über Bewohner und Bewohnerinnen von Inseln zählt die Vorstellung, sie hätten qua Herkunft ein besonders inniges Verhältnis zum Meer. Tatsächlich aber konnten Menschen selbst auf kleinen Inseln ein ganzes Leben verbringen, ohne je an die Küste zu kommen. Auf der kapverdischen Insel Brava etwa, wo die portugiesischen Kolonialherren bis Anfang 19. Jahrhunderts den Besitz von Booten untersagten, lebte der Großteil der Bevölkerung bis dahin auf Kleinfarmen im bergigen Landesinnern. Kaum jemand betrieb hier Fischfang, konnte schwimmen oder hatte je ein Schiff aus der Nähe gesehen.1 Obwohl kein Ort auf Brava weiter als fünf Kilometer vom Meer entfernt liegt, sah die Bevölkerung einem Bergvolk lange ähnlicher als einer Küstengesellschaft.

Ein Einzelfall war Brava in dieser Beziehung nicht. Die versklavten wie die formal freien Arbeiter, mit denen die europäischen Kolonialmächte seit dem 15. Jahrhundert tropische und subtropische Inseln auf allen Weltmeeren massenhaft bevölkerten, wurden ganz überwiegend auf Plantagen im Binnenland eingesetzt. Eine Gelegenheit, die Küste aufzusuchen, eröffnete sich vielen von ihnen nie. Von Cuba berichtet Esteban Montejo, der dort 1860 als Sklave geboren wurde, floh und sich bis zur Abschaffung der Sklaverei 1886 in Wäldern versteckt hielt, über seine späte Begegnung mit dem ihm fremden Meer:

„Je näher ich der Küste kam, desto größer wurde sie. Ich stellte mir immer vor, das Meer sei ein riesenhafter Fluß. Manchmal schaute ich es fest an, und dann wurde es weiß, ein ganz seltsames Weiß, und verlor sich vor meinen Augen. Das Meer ist auch ein großes Geheimnis der Natur. Und es ist sehr wichtig, bedeutend, denn es kann die Menschen mitnehmen, sie verschlingen und nicht wieder hergeben.“2

Keine Gesellschaft wurde allein durch ihre Nachbarschaft zum Meer zu einer Küstengesellschaft. Litorale Gemeinwesen bildeten sich nur dort heraus, wo Menschen darüber hinaus wichtige Bereiche ihres Zusammenlebens wie Wirtschaft, Kultur, Religion oder auch Geschlechterbeziehungen auf das Meer orientierten – wo Nähe zum Meer also nicht bloß räumlich gegeben war.

 

[1] Briton C. Busch. „Cape Verdeans in the American Whaling and Sealing Industry, 1850–1900.“ American Neptune 45 (1985): S. 104–16, hier S. 108.

[2] Miguel Barnet. Der Cimarrón: Die Lebensgeschichte eines entflohenen Negersklaven aus Cuba. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1999, S. 59.

 

Küstenreich

kuestenreich

Ein Foto von der Ostseeküste im September 2011. „Opening oneself to the sea, hearing the rote, watching the glim, feeling the sun and the wind in the end gets one only relaxed, tanned, salted, and perhaps thoughtful“, schreibt John Stilgoe in seinem wunderbaren Buch „Alongshore“. Er bringt diese Erfahrung auf einen Begriff, der sich wohl am besten als „Küstenreich“ übersetzen lässt. Oder als „Küstengefilde“? – „To know the coastal realm is to dig, probe, slop about in the ooze, explore the marge, risk a soaking or worse. At least along this stretch of coast, realm adequately designates the vague area seacoast, seascape, and marge never precisely name.“1

 

[1] John R. Stilgoe. Alongshore. New Haven, London: Yale University Press, 1994. S. 404.

 

Fußnoten zum Walfang #1:
Der renitente Seemann John Maine

Ein Eintrag im Logbuch des amerikanischen Walfängers Globe aus New Bedford, der im Februar 1859 in Moçâmedes vor Anker ging, dem heutigen Namibe im Süden Angolas:

„At 11 AM the Captain came off from the shore. When he went on shore he told the Boats crew to stay by the Boat, but John Main & Bartholomew Newton left the Boat & went up to a house & got Drunk. John Main Drew a knife on a Portugue & also threw stones at him. when he came on Board the Captain Put him & Newton in Irons. Main wilst in Irons thretned to see the Captains hearts Blood & said he should like to put a knife up to the handle in his guts.“1

Der Seemann John Maine, so weiß es die New Bedford Crew List Database, kam aus Newport und war zu dieser Zeit 21 oder 22 Jahre alt.2 Zehn Tage lang musste er die Kettenhaft erdulden, die Kapitän Alexander Tripp ihm als Strafe auferlegte. Wie so viele Seeleute, denen eine solche Bestrafung widerfuhr, wollte Maine danach die erstbeste Gelegenheit nutzen, um vom Schiff zu fliehen. Die Gelegenheit eröffnete sich Ende März: Um der Mannschaft einen Landgang zu ermöglichen, ließ Kapitän Tripp die Insel St. Helena ansteuern. Hier versuchte Maine mit zwei weiteren Männern, der Globe zu entkommen. Doch Polizisten fassten die Deserteure und nahmen sie für einen Tag in Haft. Da sie sich nach ihrer Entlassung weigerten, auf ihr Schiff zurückzukehren, kamen sie für zwei weitere Tage ins Gefängnis. In der Hoffnung, dass sich der amerikanische Konsul ihrer Sache annehmen würde, kehrten sie danach auf die Globe zurück. Doch der Konsul nahm sich ihrer Sache nicht an. Fünf Seeleute traten nun in einen Streik, den Maine offenbar anführte. Tripp ließ sie in Ketten legen. Doch die Renitenz des Seemanns Maine führte letztlich dazu, dass der Kapitän sich dessen Anliegen zu eigen machte. Mehrere Offiziere und Seeleute hatten sich ihrerseits in einem Schreiben an den amerikanischen Konsul gewandt und ihn ersucht, eine Entlassung Maines zu veranlassen – denn dieser sei „the cause of our trouble on Board“. Nach Tagen der Unruhe willigte Tripp ein, den Seemann zu entlassen, obwohl das aufgrund der vorgeschriebenen dreimonatigen Lohnfortzahlung zusätzliche Kosten bedeutete. „At 2 PM took John Main on shore to the Consul & Discharged him“, vermerkt das Logbuch für den 9. April.3

 

[1] Logbook GLOBE, 11.08.1858–08.05.1861. Providence Public Library, Nicholson Whaling Collection, Wh G562 1858L. 26.02.1859.

[2] http://www.whalingmuseum.org/online_exhibits/crewlist/search.php?term=John+Maine&search_by=name (12.12.2012).

[3] Logbook GLOBE, 11.08.1858–08.05.1861. Providence Public Library, Nicholson Whaling Collection, Wh G562 1858L. 26.03.–09.04.1859.

 

Neue Hilfsmittel zur amerikanischen Walfanggeschichte

Die Geschichte des amerikanischen Hochsee-Walfangs ist erfreulich gut dokumentiert: Von etwa jeder dritten der rund 15.000 Fahrten, die amerikanische Walfänger von Mitte des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts unternahmen, ist das Logbuch überliefert. Mehrere Hundert Tagebücher, Reiseberichte und autobiographische Texte beteiligter Seeleute ermöglichen darüber hinaus die Rekonstruktion von Fahrten, zu denen keine Logbücher mehr existieren. Mithilfe von Zeitungen, Aufzeichnungen von Schiffseignern, Behördenakten, Briefen und anderen Quellen lässt sich das Bild dieser Walfangepoche weiter vervollständigen…

…weiter bei: Deutsches Schiffahrtsarchiv

 

Robert Rosenstone erzählt

„The words with which I evoke the past are a mixture of (…) voices that began to speak in my head, sometimes in the first person, sometimes in the second, sometimes in the third. For years I attempted to smooth the narrative and turn them into one coherent, unified voice, but when I tried to do so, they stopped speaking.“1

 

[1] Robert A. Rosenstone. The Man Who Swam Into History: The (Mostly) True Story of my Jewish Family. Austin: U of Texas P, 2005. S. xiii.

 

Loomings

Pelikane so groß wie Schiffe traten aus dem Nebel hervor, dazu eine Krähe von der Größe eines Felsens. Knochen gestrandeter Wals zeichneten sich hoch wie Häuser am Horizont ab. Beim Forschungsreisenden Charles John Andersson hinterließ die Szenerie einen tiefen Eindruck. „Every object had a bewildering and supernatural appearance“, berichtete Andersson später, „and the whole atmosphere was misty, tremulous, and wavy.“1

Bei dem Phänomen, das Andersson im August 1850 in Walvis Bay beobachtete, handelte es sich um eine mehrfache Luftspiegelung: Im Aufeinandertreffen warmer und kalter Luftmassen brechen die Lichtstrahlen der Sonne und erzeugen in der Luft verzerrte und vergrößerte Spiegelbilder von entfernten Objekten am Boden. Im Deutschen gibt es dafür das wenig geläufig Wort „Kimmung“; etwas bekannter sind die englischen Bezeichnungen superior mirage und looming. Das Phänomen tritt auf, wo eine kalte Luftschicht am Boden von einer heißen Luftschicht überlagert wird. In Walvis Bay, wo die heiße Luft der Namib-Wüste auf den aus der Antarktis kommenden Benguela-Strom trifft, ließ es sich häufig beobachten. „All animals grow to the dimensions of immense mountains“, notierte etwa der schwedische Kapitän Thure Gustav Een, der im Mai 1866 auf dem Küstenfahrer Telegraph aus Kapstadt dorthin kam. „You think that you are seeing before you one of the enchanted countries of the fairy tales.“2

Ein looming erzeugt nicht nur eine phantastische Atmosphäre, sondern kann auch Dinge zu erkennen geben, die sich jenseits der eigenen Sichtweite befinden. Es verändert somit das Raumgefühl, ähnlich wie ein Traum oder ein Rauscherlebnis es vermag. Grenzen, denen die menschliche Wahrnehmung unterworfen ist, scheinen für einen Moment überwindbar. Diese Eigenschaft macht das looming zu einer reizvollen Metapher für Erkenntnisvorgänge. Schon Herman Melville hatte diese Idee, der das erste Kapitel seines „Moby-Dick“ daher auch „Loomings“ nannte. Dort schildert Melville, wie Mitte des 19. Jahrhunderts an einem Sonntagnachmittag in New York Menschen in Massen ans Ufer kommen und das Meer betrachten. Ihre Blicke richten sich weniger auf die Schiffe, die Seeleute oder das geschäftige Treiben im Hafen. Eigentlich sind sie auf das Wasser fixiert, das sich am Horizont zum Ozean öffnet. Vom Betrachten dieser Öffnung erhoffen sie sich eine Öffnung ihres Denkens – so die Interpretation des Historikers John Stilgoe, der ich hier folge3 –, sei es in der Form eines Tagtraums oder eben einer Luftspiegelung, die sie für einen Moment über den Horizont hinweg sehen lässt. So betrachtet weist das „Loomings“-Kapitel über seine unmittelbare Handlungsrelevanz hinaus – und ist darin selbst einem looming ähnlich.

So interessant wie Melvilles Blick auf loomings ist, so interessant wäre es auch, zu erfahren, wie Menschen außerhalb „westlicher“ Wissens- und Erkenntnissystemen sie betrachteten. Welche Metaphern fanden etwa die Leute von Walvis Bay, die ǂAonîn, für das Phänomen? Leider haben Andersson und Een sich dafür offenbar nicht interessiert.4

 

[1] Charles J. Andersson. Lake Ngami; or, Explorations and Discoveries During Four Years’ Wanderings in the Wilds of Southwestern Africa. London: Hurst & Blackett, 1856. S. 17, siehe auch Francis Galton. The Narrative of an Explorer in Tropical South Africa. London: John Murray, 1853. S. 16.

[2] Thure G. Een. Memories of Several Years in South-western Africa, 1866–1871. Windhoek: Namibia Scientific Society, 2004. S. 30.

[3] John R. Stilgoe. Alongshore. New Haven, London: Yale UP, 1994. S. 23f.

[4] In der einschlägigen ethnographischen Literatur lässt sich nichts darüber finden (Kuno F. R. Budack. „The ≠Aonîn or Topnaar of the Lower !Kuiseb Valley and the Sea.“ Khoisan Linguistic Studies 3 (1977): S. 1–42; A. Winifred Hoernlé. „The Social Organization of the Nama Hottentots of South-West Africa.“ American Anthropologist 27.1 (1925): S. 1–24; Oswin Köhler. „Die Topnaar-Hottentotten am unteren Kuiseb.“ Ethnological and Linguistic Studies in Honour of N. J. van Warmelo: Essays Contributed on the Occasion of his Sixty-fifth Birthday 28 January 1969. Hrsg. The Ethnological Section. Pretoria: Government Printer, 1969: S. 99–122).

 

Meer und Himmel

ilesaintemarie

Ein Foto von der Île Sainte-Marie, Oktober 2010. „When we have returned from the sea-side, we sometimes ask ourselves why we did not spend more time in gazing at the sea“, bemerkte der US-amerikanische Schriftsteller Henry David Thoreau 1865 über seine Reisen an die Küste von Massachusetts – und fuhr fort: „but very soon the traveller does not look at the sea more than at the heavens.“1

 

[1] Henry David Thoreau. Cape Cod. 1865. Boston: Houghton Mifflin, 1906. S. 129.

 

Greg Dening erzählt

„Nichts wird für uns am Horizont leuchten, wenn wir ihm nicht selbst ein Stück entgegenkommen.“ Das ist ein typischer Greg-Dening-Satz. Typisch insofern, als er die Schlussfolgerung einer Argumentation – hier über das Historisieren des Meeres – in eine maritime Metaphorik überführt.1 „Leuchten“ war ein Seemannsbegriff dafür, dass sich etwas noch Unbekanntes schwach an der Grenze der eigenen Sichtweite abzuzeichnen beginnt. Und der „Horizont“ ist nicht einfach der Horizont, sondern steht hier für das Gefüge aus Annahmen und Vorstellungen, die jede Erkenntnismöglichkeit umgrenzen wie eben der Horizont die Sicht von einem Schiff aus. Dening hätte also auch etwas schreiben können wie: „Wenn wir neue Einsichten in die Geschichte gewinnen wollen, müssen wir vorherrschende Paradigmen kritisch hinterfragen, um uns zusätzliche Erkenntnisperspektiven zu eröffnen.“ Hat er aber nicht. Zum Glück.

Denings Texte sind auch deshalb so lesenswert, weil sein Schreiben kunstvoll zwei Elemente ineinanderfügt, die sich in den Texten mancher Historiker und Historikerinnen eher voneinander abzustoßen scheinen: Begeisterndes Erzählen und selbstkritische Reflexivität. Wie gelingt diese Verbindung? Die Bemerkungen, die Dening in seinem Aufsatz „A Poetic for Histories“ dazu trifft2, lese ich so: Die Einsicht in die sprachliche Verfasstheit jeder Erkenntnis über das Vergangene versteht Dening – anders als manch andere in seiner Disziplin – nicht als Beschränkung oder gar Bedrohung geschichtswissenschaftlichen Erzählens. Im poetologischen Wesen des eigenen Schaffens sieht er vielmehr einen Möglichkeitsraum und Ansporn, die Vermittlung von Erkenntnis narrativ zu kultivieren. Weniger umständlich gesagt: Wenn schon Geschichte nicht anders als poetisch erzählt werden kann, dann soll man sie doch bitte auch lustvoll, einfallsreich, urteilsfreudig und theatralisch erzählen. Man kann die eigene Sprache kritisch reflektieren – hinsichtlich ihrer Metaphorik, ihrer Positionalität, ihrer Geschichte –, ohne sie ständig als gefahrvolle Macht fürchten zu müssen.

Letztlich ist das Erzählen von Geschichte für Dening ein performatives Ritual, in dem sich die Individualität und Involviertheit der schreibenden oder sprechenden Persönlichkeit mit den konventionalisierten Praktiken von Geschichte als akademischer Institution verbindet. Daher machen sich diejenigen, die ihren poetischen Eigensinn hinter normierter Wissenschaftssprache zu verbergen suchen, nicht weniger angreifbar als diejenigen, die Geschichtswissenschaft in schöngeistiger Literatur auflösen wollen. „There is no past that I describe that is not joined to my present“, so Dening darüber an anderer Stelle, „there is no other that I describe that is not joined to myself. I have not made my knowledge less certain for that, or more relative.“3 Um einen Eindruck davon zu bekommen, was aus diesen Überlegungen praktisch für Denings Erzählen folgt, empfehle ich sein wohl bekanntestes, stilistisch besonders gelungenes Buch: Mr Bligh’s Bad Language: Passion, Power and Theatre on the Bounty. Cambridge: Cambridge UP, 1994.

 

[1] Greg Dening. Tiefe Zeiten, tiefe Räume: Die Zivilisierung der See. Das Meer als kulturelle Kontaktzone: Räume, Reisende, Repräsentationen. Hrsg. Bernhard Klein & Gesa Mackenthun. Konstanz: UVK, 2003. S. 17–47, hier S. 47.

[2] Greg Dening. „A Poetic for Histories: Transformations That Present the Past.“ Clio in Oceania: Toward a Historical Anthropology. Hrsg. Aletta Biersack. Washington: Smithsonian Institution Press, 1991. S. 347–80, hier vor allem S. 353, 360, 365, 372, 376f.

[3] Greg Dening. The Bounty: An Ethnographic History. Parkville: History Dept., U of Melbourne, 1988. S. 66.

 

Leonhard Schultze erzählt

Gewöhnlich sind naturwissenschaftliche Forschungsberichte aus der Zeit um 1900 in poetischer Hinsicht nicht besonders ansprechend. Bevor Rachel Carson in ihren meeresökologischen Bestsellern Mitte des 20. Jahrhunderts beispielgebend biologische Expertise mit literarischen Ambitionen verband, brachten die Naturwissenschaften eher dröge Texte hervor. Umso bemerkenswerter scheint mir daher die Erzählweise, die der Forschungsreisende Leonhard Schultze für seinen 1907 erschienenen Bericht über das südwestliche Afrika gewählt hat – der immerhin für die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften bestimmt war. So schreibt Schultze etwa in anschaulicher Weise über die Felsküste im Süden des heutigen Namibia:

„Draußen am breiten Eingang einer solchen Schlucht, an einer der massigen, runzelig zerfurchten Klippen oder an einem Block spitzer Gneispfeiler, bricht sich die Welle mit einem ersten dumpfen Stoß. Und nun wälzt sich unaufhaltsam, mit einer Steilfront von mehreren Manneshöhen, die brodelnde Masse heran, um so wilder und schneller je enger das Felsenbett wird, in das sie sich zwängen muß. In ihrem Rauschen geht für Momente das Donnern der Brandung unter, dann setzt es verstärkt wieder ein und mischt sich in das hohle Poltern und Anschlagen der schweren Gerölle, die das rücklaufende Wasser mit sich reißt. Noch ist die Welle nicht verlaufen, da verschwindet der hundert Meter lange Felsrücken, der zwei Schluchten trennt und bisher allem Ansturm getrotzt hatte, in einem ungeheuren Wasserschwall, der seitlich in breitem Strom über ihn hinwegschießt, an dem gegenüberliegenden Felsenzug anbrandet und in das übervolle Tal schäumend zurückgeworfen wird.“1

 

[1] Leonhard S. Schultze. Aus Namaland und Kalahari: Bericht an die Kgl. preuss. Akademie der Wissenschaften zu Berlin über eine Forschungsreise im westlichen und zentralen Südafrika, ausgeführt in den Jahren 1903–1905. Jena: G. Fischer, 1907. S. 3.

 

entlang der Küste

vilankulo

Ein Foto aus Vilankulo vom März 2010. Wieso eigentlich kennt die deutsche Sprache keine Wörter, die den englischen Adjektiven alongshore und coastal entsprechen?